Redebeitrag von MIGRANTIFA Berlin am 4. Juli vor der US Botschaft

Heute am Nationalfeiertag einer Republik, die auf Unterdrückung, Ausbeutung und Leid basiert finden wir uns zusammen um den Jahrzehntelangen Kampf von Mumia Abu-Jamal weiterhin sichtbar zu halten und um uns für die Freilassung aller politischen Gefangenen einzusetzen. Wir möchten bei dieser Gelegenheit das allgemeine Verständnis von politischen Gefangenen infrage stellen und somit auch die soziale Ordnung, in der Gefängnisse, Sweatshops und Lager an den Außengrenzen völlig normal sind. Unter politischen Gefangenen stellen sich hierzulande viele Menschen ausschließlich Personen vor, die in einer ferngelegenen Diktatur auf Grund von oppositionellen Haltungen inhaftiert werden. Aber wir müssen weiterdenken.

Zunächst halte ich es für essentiell, die Kämpfe gegen „mass incarceration“, systematische Entmenschlichung und institutionellen Rassismus nicht als eine exklusiv US-amerikanische Angelegenheit zu sehen –denn ich erkenne diese Perspektive gerade vermehrt bei Nachbar_innen, Familienmitgliedern und diversen Social Media Profilen –, sondern klar zu benennen, dass auch hier in Deutschland soziale Probleme mit Kriminalisierung und Gefangenschaft beantwortet werden. So werden unter anderem Obdachlosigkeit, psychische Probleme, Suchtkrankheiten und Armut mit Polizei und Knast angegangen, was völlig nutzlose Maßnahmen sind und politische Gefangene produziert.

Menschen kommen für Fahren ohne Ticket, oder nicht bezahlte Rundfunkbeiträge in den Knast um die sogenannte Ersatzfreiheitsstrafe abzusitzen. Das sind politische Gefangene. Wenn Präsidenten von Fußballvereinen, Bänker_innen, Aktienhändler_innen mehrere Millionen an Steuern hinterziehen kommen sie mit einem leichten Klaps auf die Hand davon. Das ist ein eindeutiger politischer Akt.

Menschen in Abschiebehaft und Geflüchtete in griechischen Lagern sind politische Gefangene! FREE THEM ALL. ob Frackville, Plötzensee oder Moria – Freiheit für alle politischen Gefangenen.

Wir können gegen diese Zustände nur etwas ausrichten, wenn wir uns gemeinsam organisieren und die Visionen einer anderen Gesellschaft konsequent zu Ende denken!

Ich stehe hier heute um stellvertretend für meine Genoss_innen und Geschwister der Migrantifa Berlin zu sprechen. Migrantifa ist keine Institution, sondern sind bundesweit lose Zusammenhänge, die antifaschistische Politik von Migrant:innen für Migrant:innen machen.Darunter verstehen wir auch Menschen ohne eigene Migrationsbiografie, die von der weißen Dominanzgesellschaft migrantisiert werden. Migrantifa bedeutet, migrantische, refugee, Schwarze, jüdische, antirassistische, antifaschistische und Sint_ize und Rom_nja Kämpfe zusammenzubringen und stark zu machen. Wir glauben, dass nur durch gemeinsame Kämpfe die rassistische Spaltung der Gesellschaft überwunden werden kann.

YALLAH YALLAH MIGRANTIFA!

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