Free Mumia – Free Them All!

Redebeitrag von Free Mumia Berlin am 4. Juli 2020 vor der US Botschaft in Berlin

Black Lives Matter! Free Mumia – Free Them All!

Als Mumia 1981 verhaftet wurde, hatte er sich bereits 14 Jahre engagiert, war von Rassist*innen und Polizist*innen geschlagen und getreten und seit 1967 – seinem Eintritt in die Black Panther Party – vom FBI lückenlos überwacht worden. Als Journalist für die Black Panthers und auch danach in Philadelphias Radiostationen, sowie dem us-weiten Sender NPR berichtete er kontinuierlich über rassistische Polizeigewalt und hinterfragte die offiziellen Rechtfertigungen tödlicher Polizeigewalt.Dies brachte ihm nicht nur Journalistenpreise und den Vorsitz der afroamerikanischen Journalistenvereinigung ein, sondern auch den Hass derer, die sich nun versuchen mussten zu rechtfertigen.

Er wurde nach den beinahe tödlichen Polizeischüssen in der Nacht des 9. Dezembers 1981 von Polizeibeamten schwer geschlagen. Er kam nach einer lebensrettenden Notoperation in Untersuchungshaft. Viele kritisierten sein Verfahren als zutiefst unfair, u.a. Amnesty International in ihrem fast 40-seitigen Sonderbericht von 2000 namens „A Life In The Balance“. Beweise wurden gefälscht, z.T. frei erfunden und entlastendes unterschlagen. Die Jury wurde sowohl vom Staatsanwalt als auch vom Richter schwer manipuliert. Eine extrem rassistische und hasserfüllte Äußerung des Richters noch während der Beweisaufnahme führte nicht dazu, diesem Richter den Fall zu entziehen.

Seit Juli 1982 befand sich Mumia zum Tode verurteilt im Todestrakt – das ist gesteigertes Hochsicherheitsgefängnis: 23h Einzelhaft – 9 qm Platz, sogenannter „Hofgang“ in einem 6 qm Käfig, immer isoliert. Also nochmal zum besseren Verständnis: kein Körperkontakt! Auch nicht bei Besuchen. Bei denen saß Mumia an Händen und Füßen gefesselt, hinter einer dicken Plexiglaswand.

Eine Radiojournalistin besucht ihn 1992 im Knast und begann, seine Kommentare aufzunehmen. Mumia arbeitet an seinem ersten Buch. Seine Stimme verbreitete sich über die Welt. Nun wurde er wegen unerlaubter Ausübung des Journalistenberufes angeklagt. Diesmal läuft es anders. Mumia bekommt die Erlaubnis zu schreiben… aber sollte er nicht zum Schweigen gebracht werden? Als Mumia Stimme wieder laut vernehmbar war, sollte sein Leben beendet werden. Deshalb wurde 1995, nach 13 Jahren Isolationshaft und auferlegtem Schweigen, der erste Hinrichtungsbefehl unterzeichnet.

Die weltweiten Proteste dagegen sind 1995 erfolgreich. Der Hinrichtungsbefehl wird zurückgenommen. Mumia bleibt in Isolationshaft, aber er schreibt weiter.

Der zweite Hinrichtungsbefehl wird 1999 unterzeichnet und ebenso erfolgreich abgewehrt. Mumia setzt sich im Todestrakt als Knastanwalt, berät, schreibt Anträge. Denn vor einer Verurteilung hat ein*e Gefangene*r ein Anrecht auf eine*n Pflichtverteidiger*in, aber danach nicht. Alle Kämpfe gegen Fehlurteile, Misshandlungen im Knast etc. müssen die Gefangenen selbst machen. Durch sein selbst erworbenes Wissen kann er vielen weiterhelfen, z.B. Harold Wilson, der 2005 frei kam und 2012 mit uns zusammen an dieser Stelle für Mumias Freiheit und die Abschaffung der Todesstrafe demonstrierte.

Ende 2011 bestätigt das höchste Gericht der USA, dass es Verfahrensfehler in Mumias Prozeß gab. Die Todesstrafe wird endlich aufgehoben. Die Knastbehörde lässt ihn anschließend in den sogenannten Normalvollzug verlegen. Über 28 Jahre Todestrakt – über 28 Jahre Isolationshaft ohne Körperkontakt sind nun vorbei.

2012 lernt Mumia im SCI Mahanoy Gefängnis im Umschluß neue Menschen kennen und fängt an, mit dem ihm bisher unbekannten technischen Neuerungen erste Erfahrungen zu machen. Er sagt, der Unterschied zum Hochsicherheitstrakt sei so groß, dass wohl nur die Freiheit eine noch größere Veränderung darstellen werde.

2015 bricht Mumia bewusstlos zusammen. Sehr hohe Blutzuckerwerte und eine offen ausgebrochene Hepatitis C schaffen es fast, ihn auch ohne Hinrichtungsbefehl zu töten, denn obwohl seine Hepatitis C bekannt den Behörden bereits war, sagten sie es ihm nicht. Wieder setzen sich Menschen für Mumia ein. Seine Mitgefangenen schleppen ihn in die Krankenstation und schlugen sofort laut Alarm. Der Ruf ging erneut um die Welt. Innerhalb und außerhalb des Knastes forderten Tausende ärztliche Untersuchungen und medizinische Behandlung für Mumia.

Er kämpft ums Überleben, aber nicht nur um sein eigenes, sondern auch um das von anderen Gefangenen ohne medizinische Versorgung. Durch die Unterstützung von so vielen gelingt es Anfang 2017, die lebensrettende Behandlung durchzusetzen. Im Sommer 2017 hat er keine Hepatitis-C mehr. Auch andere Gefangene werden seitdem gegen diese lebensbedrohende Krankheit versorgt. Er schreibt weiter Bücher und Beiträge, z.B. über die bis heute ungebremste Mordserie der Polizei gegen Arme und People of Color in den USA.

Nach langem Kampf konnte Mumia bis Februar 2020 zwei dringend benötigte Augenoperationim Knast erhalten,. Es ist mehr als deutlich, dass öffentliche Solidarität für Mumia praktische Auswirkungen hat.

Anfang 2019 gelang es Mumia auch, eine Wiederholung seines Revisionsverfahrens zu erkämpfen. Die Polizeilobbyorganisation Fraternal Order of Police versucht derzeit alle Tricks, um die Eröffnung dieses Verfahrens zu behindern. Allerdings sind sie damit nicht so effektiv wie in früheren Jahren. Der nächste Kampf um Mumias Freiheit hat begonnen. Es wird – wie immer – an uns allen liegen, dass er endlich frei kommt.

Free Mumia – Free Them All!

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